Überrumpelt: die gelbe Couch

Nennen wir die Farbe lieber Senf, um präzise zu sein. Oder auch Curry, auf jeden Fall etwas Gewürzaffines. Und dabei hasse ich die Farbe Gelb von jeher. Kann ich sie weder am Leib tragen da sie mein bleiches Gesicht grünlich wirken lässt, noch hatte ich nur einen Gedanken an gelbes Interieur verschwendet. Was ich an gelb zu bieten hatte: diese Tasche hier.

„Was hast du denn für ein Plüschtier dabei??“ Lachanfall. Ein Fashion Fauxpas allererster Güte. ABER sie war von Miss Sixty und rechtfertigte somit meiner Ansicht nach den Kauf. Yes! Denn Miss Sixty galt in den 90ern als cool und da ja alle Trends bekanntlich immer wiederkehren, würde ich somit bald wieder cool sein. *schlauschlau*

Eine Bekannte von mir musste sich aufgrund eines Wohnungswechsels von einigen Möbelstücken trennen und war froh, dass wir einige Dinge von ihr übernehmen konnten und das war doch sehr schön trotz der deprimierenden Umstände die den Umzug überhaupt erst erzwangen. Eigentlich wollten wir nur ein paar Regale und Kleinigkeiten abholen, sowie ein Schlafsofa für das Kinderzimmer – so der Plan.

Eigentlich machte die Anschaffung überhaupt keinen Sinn bei drei Katzen im Alter von 1, 2 und 3 Jahren da die Fellnasen mitsamt ihrem Nachwuchs bereits die schöne, rote, alte Couch zerlegt und zerkratzt,  im Grunde genommen komplett zerstört hatten und ich für eine Neuanschaffung das gleiche Schicksal befürchtete.  Im Grunde genommen war es mir aber egal, ich nahm die Kollateralschäden stillschweigend, ja geradezu phlegmatisch hin und überließ meinem Partner das Schimpfen und Klagen über Haarknäuel, zerbrochene Vasen und so weiter und so fort. Ich lebte schließlich lange Jahre mit Haustieren und Kind und fühlte mich in OP-ähnlich sterilen Wohnsituationen die Museen glichen ohnehin nicht wohl. Außerdem wusste ich das nichts ewig hält. Keine Möbel, Tapeten, Nippes, Autos, Klamotten, Heizungsrohre – nicht einmal Beziehungen. Mein Spitzenidee, irgendwann eine Nacktkatze anzuschaffen um zumindest das haarige Problem aus der Welt zu schaffen fiel nicht auf fruchtbaren Boden. Und ich würde mir DOCH eine holen, dachte ich trotzig und grinste in mich hinein ob meines vermeintlichen Sieges, während ich heimlich nach Sphynx-Katzen googelte. Hach,  ich fühlte mich sehr schlau und überlegen in diesem Moment.

Als mir besagte Bekannte die gelbe Couch im Wohnzimmer zeigte und sagte, „Könnt ihr die gebrauchen? Ich kann sie leider nicht mitnehmen.“ fiel meine Reaktion wie gewöhnlich intuitiv und nicht von Nachdenken geprägt aus. Ich lern´s nie. „Um Himmels willen nein *kotzgeräusch* die passt üüüberhaupt nicht bei uns rein und diese Faaaarbe -Gott der Gerechte!!“ Damit war das Urteil gefällt. Nie und nimmer käme mir dieses Ungetüm ins Haus, igittegatt also näääää. Der erste Gedanke ist doch meistens der richtige, oder etwa nicht??

Zuhause konnte ich natürlich an überhaupt nichts anderes denken als an die verdammte Couch. Fuck it.
Ich sagte ihr, wir nehmen sie.
Sie sagte, sie hätte sie jemand anderem angeboten.
Beinahe hätte ich angefangen zu heulen.
Aber letzten Endes erhielten wir den Zuschlag und was soll ich sagen? Ich könnte nicht glücklicher sein.

Manchmal ist überrumpelt werden etwas Gutes.

2 Gedanken zu „Überrumpelt: die gelbe Couch

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