Alle Artikel von DerAdmin

Verroht

Ich wusste nicht einmal genau, was mich störte. Und warum es mich störte. Ich wusste nur: es fühlt sich falsch an. Falsch in meinem Bauch, der unangenehm grummelte. Schmetterlinge im Bauch sozusagen, aber nicht auf die gute Art sondern auf sehr unangenehme Weise. Eher wie Flugzeuge im Bauch, wie Grönemeyer sagen würde als er von Liebeskummmer und Seelenschmerz sang. Sag nichts, du willst doch tolerant sein. TOLERANT. LIBERAL. Belächle es und wechsle das Thema.  Alle anderen am Tisch lachen doch auch mit. Jedem das Seine. Jeder wie er mag. Jeder nach seiner Fasson. Du willst doch nicht spießig sein. Verklemmt. Von vorgestern. Wir leben doch in einer Demokratie. So ist das halt. Stell dich nicht so an. Das ist normal. Normal. Normal.Normal.

– Kollege XY ist mit seinen üblichen Junggesellen-Kumpanen mal wieder in Thailand im Urlaub. Kinderf****n. Du weißt ja, kriegen sonst keine ab. Kaltes Lächeln. Das vermeintliche Recht auf Sex. Und sei es nur gekaufter?
– Zum Junggesellenabschied waren wir in Düsseldorf, da geht man vor der Eheschließung nochmal in den Puff, die Kumpels legen alle zusammen und dann kann der nochmal ordentlich bevor er eingesperrt wird. Ist Tradition. Ist ja zauberhaft.
– Hier, bring deinem Mann diesen Gina Wild Film mit. Guck nicht so entsetzt, das schaut jeder Mann, der verheimlicht das halt vor dir.
– Ein Auto wirbt mit “Eros-Center Laufhaus” Aufklebern für ein Etablissment. Visionen von Frauen, die nach Hautfarbe sortiert vor Verrichtungszimmern warten blitzen in meinem Kopf auf. Und der egoistische Gedanke: zum Glück muss ich das nicht.
– Hast du schon gehört, es gibt so eine Art Viagra für Frauen. Dass ihr mal wieder Lust bekommt! (Hm, vielleicht liegt es eher daran, dass Frau keinen Bock auf das immerwährende Schema F des Mannes hat? Randinformation: die Pille unterdrückt die Libido).
– Im Vorabend Programm werben Firmen für Sexspielzeug für Frauen (wen auch sonst?) mit Orgasmusgarantie – ansonsten Geld zurück. Desweiteren werden Cremes und Gele gegen vaginale Trockenheit angeboten. Es ist 18 Uhr, meine Tochter sitzt da, wir schweigen. Ich wüsste nicht was ich dazu zu sagen hätte. (Wann kommt Viagra-Werbung und Reklame für Penis-Pumpen bei Impotenz? Ach so, nie. Stimmt ja. Hab das mit dem Patriarchat kurz vergessen).

Ich bin nicht naiv und spinne den Faden gedanklich weiter, was die Kids sich auf dem Schulhof gegenseitig so auf dem Handy präsentieren könnten. Noch ein Nagel zu meinem Sarg.
Seit ich Instagram habe weiß ich, wer Stoya und Sasha Grey sind, gehypt als Role Model für junge Frauen die immer wieder begeistert Bilder posten, weil diese beiden für “sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung” stehen. Ich vermeide es, mir zu Recherchezwecken diese Filme reinzuziehen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass das Erfüllen männlicher Wünsche und das Vergewaltigen gegen Gage eine sexuelle Befreiung darstellt. Und ich frage mich, warum sie das selbst glauben?
Wie schnell wäre es mit dem Hinnehmen von Pornokonsum und Prostitution vorbei, würde die eigene Tochter sich in dieser kranken, entmenschlichten Branche verdingen müssen?
Und irgendwann wusste ich es. Wusste, was meine Intuition mir schon immer flüsterte, auch in jungen Jahren wo ich noch keine Ahnung von all diesen P-Begriffen hatte,  was sich so falsch und widernatürlich anfühlte. Es war das Herabwürdigende, Verachtende, aber als Normalität verkaufte, das manche -leider viele- aber längst nicht alle Männer den Frauen und deren Rolle in der Gesellschaft entgegenbrachten.

Wie unglaublich verroht das war, festgemacht am Beispiel des onanierenden Mannes vor dem Porno und der Frau mit ihrem Dildo. Soll das eine Beziehung im Jahr 2018 sein deren Motto lautet, ich brauch dich nicht, ich habe mein Ventil und auch mein Werkzeug, geh du in dein Zimmer und ich in meins. Wie unglaublich traurig und deprimierend. Das soll also normal sein. Wir arbeiten getrennt, haben getrennte Hobbies, essen separate Speisen, sind zu unterschiedlichen Zeiten zuhause, schauen getrennt Fernsehen (er Fußball/sie Pilcher), so das Klischee – und on top: getrennter Sex. Autsch. Und zum Geburtstag gibt es einen hübsch verpackten Dildo, wie nett, am besten noch in Pink mit Swarovski-Steinen, jippiiieee!!
Rape me. Rape me my friend singt Kurt Cobain. Und alle singen mit.

Der erste Tag des neuen Jahres

Hallo und Welcome 2018! Da bist du ja auch schon. Hast eigentlich nicht lange auf dich warten lassen, meinem Gefühl nach verflog 2017 geradezu. Vieles war los, positives und negatives aber das ist im Leben eines jeden Menschen so und darum nicht weiter erwähnenswert oder im Detail zu schildern. Heute hatte ich jedenfalls keinen Anspruch an mich selbst, ich verbrachte den Tag im Schlafanzug der aber elegant genug erscheint um damit an die Tür zu gehen – im Falle eines unangekündigten Besuchs. Ein bißchen angeschlagen, müde und erschöpft. Mal wieder mit dem Vorsatz mehr zu bloggen, zu schreiben, dieses Baby redseconals.com was mir wichtig erschien nicht komplett aufzugeben. Keine großartigen Vorsätze für dieses Jahr, höchstens nicht zum Gesprächsthema zu machen wieviel man zu tun hat, wie wenig man schläft und wie fleißig man ist weil ich diese “Olympiade” schon in der Vergangenheit reichlich blöd fand. Was gab´s da auch schon zu gewinnen? Nichts.

Was mich beschäftigte in den letzten Wochen: das Thema Abtreibung -> der Fall Kristina Hänel und die damit verbundene deutsche Gesetzgebung um Paragraph 219a, über dessen Hintergrund ich absolut nichts wusste und was rechtmäßig wirklich dahinter steckt. Selbstbestimmung der Frau in Deutschland? Fragezeichen.

Und heute der Tod von Kim (ehemals Vorstadtprinzessin, Instagram: @kimspiriert). Eine junge Bloggerin, die im Januar 2017 mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert wurde und in der gestrigen Silvesternacht ihrem Leiden erlag. Ein unsäglicher Leidensweg liegt hinter dieser jungen Frau die tapfer die Qualen der Chemotherapie, diverse Operationen und eine Amputation ertrug aber im Endeffekt den Kampf gegen diese widerliche, tückische Krankheit nicht gewinnen konnte.

Und damit hatte es sich wieder einmal: Gesundheit, das größte Gut auf Erden – nicht nur ein dahergesagter Wunsch oder Spruch sondern mit zunehmenden Alter immer wichtiger werdend, auch in Hinsicht auf die eigenen Kinder. Ich werde jetzt mit Sicherheit nicht einen Bullshit schreiben á la: lebe jeden Tag als wäre es dein letzter, das ist Quatsch und kaum realiserbar – außerdem erzeugt es Druck im Sinne von fear of missing out, für das ich eh ein Kandidat bin. Ich habe ständig Angst etwas zu verpassen! Aber Wertschätzung und Pflege des eigenen Körpers sind unerlässlich und Gesundheit nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Zudem wäre es toll Fitness nicht als Körperoptimierungswahn zu belächeln sondern als Lebensversicherung zu betrachten.

Ich wünsche allen einen tollen Start in das Jahr 2018, macht etwas draus!

Liebe Grüße, eure Red

Stuten. Bissig.

Sie kam, sie sah, sie stürmte herein. Nicht übermäßig attraktiv, etwas ungepflegte Haare vielleicht, gewöhnliche Provinzpflanze meiner vorschnellen und gleichwohl ungewollten Einschätzung nach. Unsouveräne Perfomance.  (Es passiert von allein, wir alle urteilen vorschnell, ich, sie). Und sie urteilte nicht nur, sie (re)agierte.  Es hatte ihr schon letztens nicht gepasst dass ich hier war. Wie es mich ankotzte, dass ich diese Schwingungen so ungefiltert aufnahm. Ich wollte eigentlich nur einen ungezwungenen Abend verbringen und vom Alltagsstress abschalten. Ich wünschte mir manchmal mehr Naivität und/oder Abgestumpftheit für mich selbst. Es würde vieles vereinfachen. Weibliches Konkurrenzdenken, Stutenbissigkeit, doch wer kannte das nicht? Immer wieder lautstarkes Nachfragen bei dem Mann mit dem ich mich gerade unterhielt. „Wie geht es deiner FREUNDIN? Geht es IHR gut? Ich habe SIE schon lang nicht mehr gesehen. Sag IHR einen schönen Gruß. Warum ist SIE nicht hier?“ Und so weiter und so fort. Heißt übersetzt: Er ist vergeben, was hast du hier zu suchen? Verpiss dich! Und fühl dich jetzt mal gefälligst unwohl in deiner Haut. Kam diese Frau nicht auf den Gedanken ich könne kein Single sein? No way. Scheinbar reichte der kleine, beschränkte Horizont nicht so weit. Sie wandte sich zum Gehen, nahm in aggressiver Manier Jacke und Tasche an sich.

In dem Moment als sie mit ziemlichem Schwung in ihre billige Jacke schlüpfte, wusste ich bereits was gleich passieren würde, nämlich, dass mir ihr rechter Ärmel ins Gesicht schlagen würde. Ich drehte mich wohlweislich vorausahnend von ihr weg und meinem Gesprächspartner zu, so dass der Stoff nur meine Haare traf. Dies aber mit Schmackes und Wucht.  Das hatte etwas Despektierliches, dennoch schaffte ich es sie zu ignorieren und cool zu bleiben. Äußerlich. Innerlich stellte ich mir vor, wie ihr Kopf auf einem Stock aussehen würde. Wusste sie denn nicht dass der Abstand zu meinem Mund sofern sie nicht als Cocktail in einem geeisten Glas serviert wurde mindestens 1 Meter betrug? Liebelein, das ist dein Tanzbereich und das ist mein Tanzbereich..ich bin hier und du bleibst mal schön dort drüben. Anscheinend kannte sie weder Anstand noch Würde, Dirty Dancing, Will & Grace, oder American Psycho, von denen ich gerade klammheimlich so einige Zitate eingebaut habe.

Witzigerweise lernte ich am selben Abend 2 weitere mir wildfremde Frauen kennen, die ich sofort megasympathisch und witzig fand. Beiden kamen aus unterschiedlichen Gründen auf mich zu:

Die eine um mein Outfit zu komplimentieren, woraus sich ein sehr nettes Gespräch ergab. Die andere, weil sie mich auf einem Depeche Mode Konzert gesehen hatte und damit der Gesprächsstoff sowieso geritzt war. Und was lernen wir aus diesem Abend? Meine Aura war jedenfalls nicht allein daran schuld, manchmal geht es auch einfach nicht um Feminismus an sich (ein Wort das im Jahr 2017 mehr als überstrapaziert wurde) oder darum, dass alle aber auch alle Frauen zusammenhalten oder per se Freundinnen sein müssen. Manchmal geht es völlig trivial um: Sympathie oder Antipathie. Trotzdem ist die Ärmel-Story ein no-go und wurde von mir als übergriffig empfunden. Du kannst mich ruhig doof finden, das ist vollkommen ok, macht mir nicht das Geringste aus und beruht im Endeffekt auf Gegenseitigkeit. Aber bleib mir einfach vom Leib und auf Abstand: das ist Antipathie mit Respekt.


Das Bild enstand auf dem M´era Luna Festival 2017.

Stiefel: Doc Martens
Kleid: EMP
Jacke: No name
Strümpfe: H&M

Überrumpelt: die gelbe Couch

Nennen wir die Farbe lieber Senf, um präzise zu sein. Oder auch Curry, auf jeden Fall etwas Gewürzaffines. Und dabei hasse ich die Farbe Gelb von jeher. Kann ich sie weder am Leib tragen da sie mein bleiches Gesicht grünlich wirken lässt, noch hatte ich nur einen Gedanken an gelbes Interieur verschwendet. Was ich an gelb zu bieten hatte: diese Tasche hier.

„Was hast du denn für ein Plüschtier dabei??“ Lachanfall. Ein Fashion Fauxpas allererster Güte. ABER sie war von Miss Sixty und rechtfertigte somit meiner Ansicht nach den Kauf. Yes! Denn Miss Sixty galt in den 90ern als cool und da ja alle Trends bekanntlich immer wiederkehren, würde ich somit bald wieder cool sein. *schlauschlau*

Eine Bekannte von mir musste sich aufgrund eines Wohnungswechsels von einigen Möbelstücken trennen und war froh, dass wir einige Dinge von ihr übernehmen konnten und das war doch sehr schön trotz der deprimierenden Umstände die den Umzug überhaupt erst erzwangen. Eigentlich wollten wir nur ein paar Regale und Kleinigkeiten abholen, sowie ein Schlafsofa für das Kinderzimmer – so der Plan.

Eigentlich machte die Anschaffung überhaupt keinen Sinn bei drei Katzen im Alter von 1, 2 und 3 Jahren da die Fellnasen mitsamt ihrem Nachwuchs bereits die schöne, rote, alte Couch zerlegt und zerkratzt,  im Grunde genommen komplett zerstört hatten und ich für eine Neuanschaffung das gleiche Schicksal befürchtete.  Im Grunde genommen war es mir aber egal, ich nahm die Kollateralschäden stillschweigend, ja geradezu phlegmatisch hin und überließ meinem Partner das Schimpfen und Klagen über Haarknäuel, zerbrochene Vasen und so weiter und so fort. Ich lebte schließlich lange Jahre mit Haustieren und Kind und fühlte mich in OP-ähnlich sterilen Wohnsituationen die Museen glichen ohnehin nicht wohl. Außerdem wusste ich das nichts ewig hält. Keine Möbel, Tapeten, Nippes, Autos, Klamotten, Heizungsrohre – nicht einmal Beziehungen. Mein Spitzenidee, irgendwann eine Nacktkatze anzuschaffen um zumindest das haarige Problem aus der Welt zu schaffen fiel nicht auf fruchtbaren Boden. Und ich würde mir DOCH eine holen, dachte ich trotzig und grinste in mich hinein ob meines vermeintlichen Sieges, während ich heimlich nach Sphynx-Katzen googelte. Hach,  ich fühlte mich sehr schlau und überlegen in diesem Moment.

Als mir besagte Bekannte die gelbe Couch im Wohnzimmer zeigte und sagte, „Könnt ihr die gebrauchen? Ich kann sie leider nicht mitnehmen.“ fiel meine Reaktion wie gewöhnlich intuitiv und nicht von Nachdenken geprägt aus. Ich lern´s nie. „Um Himmels willen nein *kotzgeräusch* die passt üüüberhaupt nicht bei uns rein und diese Faaaarbe -Gott der Gerechte!!“ Damit war das Urteil gefällt. Nie und nimmer käme mir dieses Ungetüm ins Haus, igittegatt also näääää. Der erste Gedanke ist doch meistens der richtige, oder etwa nicht??

Zuhause konnte ich natürlich an überhaupt nichts anderes denken als an die verdammte Couch. Fuck it.
Ich sagte ihr, wir nehmen sie.
Sie sagte, sie hätte sie jemand anderem angeboten.
Beinahe hätte ich angefangen zu heulen.
Aber letzten Endes erhielten wir den Zuschlag und was soll ich sagen? Ich könnte nicht glücklicher sein.

Manchmal ist überrumpelt werden etwas Gutes.

Kritisch beäugt: when a man likes a woman

Hier wählte ich die Worte der Überschrift natürlich nicht ohne Niedertracht. Wer ein ähnliches Aufmerksamkeitsproblem hat, genau wie ich, und Texte stellenweise nur überfliegt (liegt mit Sicherheit an der Masse des zu Verfügung stehenden Inputs dank Internet) anstatt sie in Ruhe und mit Bedacht zu lesen, der hätte vielleicht „loves“ anstatt „likes“ lesen können. Aber es geht tatsächlich nur ums liken. Nicht in Facebook, nicht auf Instagram – im real life. Likes hier, likes da, like mich am Arsch – wenn ich mal so lose Deichkind zitieren darf.

1989 traf Harry auf Sally und damit kam die viel diskutierte Frage auf, ob es zwischen Mann und Frau so etwas wie Freundschaft überhaupt geben kann. Ich gehöre eindeutig zur Ja-Fraktion, hatte ich doch selbst jahrelang einen Bruder mit dem ich zwar nicht blutsverwandt war, der sich aber wie einer anfühlte. Viel merkwürdiger ist doch der Punkt, warum man das im Jahre 2017 überhaupt noch erklären oder in Frage stellen muss? Eigentlich war das gar kein Thema mehr für mich bis ich einen Mann im ungefähren Alter meines Dad´s kennenlernte und mich mit ihm anfreundete. Ich hatte schon immer mal boxen lernen wollen aber mich nicht getraut oder um ganz ehrlich zu sein: ich hatte es mir nicht zugetraut. Ich liebäugelte immer nur aus der Ferne mit dem Boxclub bis ich mich irgendwann selbst überwand und eine Anmeldung ausfüllte. Die erste Zeit hatte ich meinen Freund an der Seite der mir den Einstieg unheimlich erleichterte, aber nachdem er sich abgemeldet hatte war ich auf mich allein gestellt.

Jemanden kennenzulernen war gar nicht so leicht, die meisten kamen mit Trainingspartner und so fühlte man sich manchmal wie beim Völkerball wenn die Teams zusammengestellt wurden, man nicht gewählt wurde und blöd alleine dastand. Tja, ich war nie eine Supersportlerin und werde es auch nie sein. Fakt. Nach einiger Zeit hatte ich jedenfalls ein paar Bekanntschaften geschlossen und es wurde besser und begann richtig Spaß zu machen. Darunter befand sich jemand, der wie die anderen Ahnung vom Boxsport hatte, mir half und mich unterstützte. Seitdem verbindet uns ein freundschaftliches Verhältnis. Nie hatte ich mir Gedanken um Geschlecht, Alter, (Beziehungs)-Status gemacht. Dafür andere umso mehr.

„Aber das ist doch komisch, er hat eine Tochter in deinem Alter. Das ist doch seltsam. Was soll sie denken?“

Ich weiß nicht was sie denkt, ich habe sie nicht danach gefragt als ich sie getroffen habe. Ich halte das nicht für mein Problem – sollte es denn eines sein? Man stelle sich nur folgende Konversation vor: „Hallo, ich bin Steffi – die Sportkumpeline von deinem Dad. Was denkst du darüber?“ Ächz, nö. Ich hielt einen Handschlag, gepaart mit einem Lächeln und die Nennung meines Vornamens für völlig ausreichend. Auch auf folgende Zusätze verzichtete ich: „Wir sind im gleichen Sportclub und trinken nach unserem Trainingskurs etwas zusammen und unterhalten uns. Da sind noch andere Menschen dabei und ach, bevor ich´s vergesse: wir haben keinen Sex.“ Das hätte ich doch etwas albern und überzogen, ja geradezu despektierlich hätte ich das gefunden. Sie vermutlich auch.

Die vermeintlich großen Unterschiede unserer Persönlichkeiten und Lebensumstände hatte ich bis dahin nur als Plus gesehen. Wie etwa in puncto Lebenserfahrung, Perspektiven, Ansichten, Verlässlichkeit, oder sein ruhiges Gemüt wenn ich mal wieder eine Kotztüte und nur am Schimpfen war. Während ich das alles so niederschreibe fällt mir auf, dass meine Kontakte zu Frauen – egal welchen Alters – nie zum Thema gemacht werden. Da gibt es anscheinend tatsächlich doch noch Klärungsbedarf. Im Jahr 2017.

Shirt: Kult
Rock: Second Hand
Tasche: Mango
Shoes: No name
Sunnies: Ray Ban

Outfit: Sailor

Und es wurde Sommer, jawohl, und das Motto was Klamotten angeht: so viel wie nötig – so wenig wie möglich. Agree? So kurz nach London und dem dort arg wechselhaften Wetter ereilte mich binnen Minuten nach meiner Rückkehr die Karmakeule, just auf dem Rückweg vom Flughafen über die Autbahn brausend und gerade zwei LKW überholend piepste und blinkte mein Auto in ungewohnter Manier. Irgendwas mit den Bremsen sagte mein Handbuch, na fantastisch. Ich kriegte beinahe einen Blutsturz, so witzig fand ich das.

(Dass ich zum jetzigen Zeitpunkt fast 3 Wochen ohne Auto und somit nicht großartig mobil in der Provinz bin, geschenkt. Wann das benötigte Ersatzteil geliefert werden kann, das weiß keine Sau. Und bestimmt auch kein Rind oder Elch oder was weiß ich.) Ich beschloss, mich daran nicht weiter aufzureiben und unnötige Energie an eine Sache zu verschwenden die ich nicht beeinflussen kann, es sei eben nur Blech und darum zweitrangig, so impfte ich mir ein.

Danke an dieser Stelle an meine Eltern, die mir großzügiger Weise ihr Auto zur Verfügung stellten solange es eben dauern möge. Was würde ich nur ohne euch tun? Ich meine, so generell!? Zuverlässige Menschen die nicht lange rumlabern sondern handeln: unbezahlbar. Verdient hättet ihr eine Privatinsel mit Cocktail-Flatrate, geben kann ich euch leider nur ungleich weniger. Memo an mich selbst: Lotto spielen…

Mit dem geliehenen Auto fuhr ich in die City. Tochter wollte ihr Taschengeld ausgeben und ich wollte einfach nur ausgehen. Und ausgeben. Tat ich dann unter anderem für eine Handy-Speicherkarte weil mich dieses ständig anmaulte der Speicher sei voll. Beim enthusiastischen Bilder-auf-SD-Karte-speichern verlor ich alle Bilder. Wie ich das geschafft habe? Noch so ein Mysterium das niemals gelüftet werden wird.
Auf die schnippische Frage ob man das seit Neuestem so trüge, blau gestreiftes Shirt zu rot gestreiften Schuhen, erwiderte ich: ob MAN das so macht weiß ich nicht. Aber ICH mache das so.

London calling.

Vor ca. anderthalb Wochen verschlug es mich und Bestie nach London. Wir hatten den Trip zu unserem letzten Geburtstag geplant und nun endlich konnten wir ihn in die Tat umsetzen. Der letzte London-Besuch war schon einige Jährchen her und ich hatte kaum mehr Erinnerung daran. Das hieß im Klartext: wir hatten keinen supercoolen Plan, wir wollten auch nicht alles anders machen als Andere und Geheimtipps hatten wir schon gar nicht. Was wir hatten: Reiseführer (für 9 € beim Buchhändler gekauft), Tasche, Klamotten, Geld, Ausweis. Der Plan war folgender: Stadt anschauen, Bier trinken, rumflanieren, kitschige Schnuppeprodukte erstehen und sich wie ein Kosmopolit fühlen. Yes!

Samsung 152

Wir hassen beide fliegen, ja, wir haben regelrecht Angst davor. Um so schöner wenn sich solch ein Anblick bietet. Ich ließ mich nicht lumpen und postete dieses Bild auf Instagram, allein schon aus Trotz weil ich irgendwo gelesen hatte wie langweilig solche Fotos seien und ja kaum noch Klicks brächten. Das widerum fand ich dekadent und widerlich. War unsere Gesellschaft schon so verroht, dass fliegen alltäglich geworden war und Bilder aus dem Flugzeug geschossen als langweilig wahrgenommen wurden? Für mich ist es nach wie vor besonders, besonders unangenehm, absolut nicht trivial und mit viel Alkohol verbunden. Wie sonst sollte ich meine coole Fassade wahren? Aber scheiß drauf, London ist nur einmal im Jahr..

Samsung 136Samsung 149Samsung 153

Ja, am schnellsten geht es mit der U-Bahn. In der Rush-Hour ein besonderes Erlebnis… zum Glück habe ich nur Höhen- und keine Platzangst. Höhe schlägt Menschenmenge, Schlange schlägt Höhe. Is klar, ne? Monk läßt grüßen.

Samsung 134

Arbeiterklasse: Ilford

In der Großstadt, besonders in der international stark frequentierten, fällt die klassische Schere zwischen arm und reich extrem auf. Ich kann mich nicht erinnern bei meinem letzten Aufenthalt soviele Obdachlose, Bettler und Junkies gesehen zu haben. Und im Gegensatz soviele Stinkreiche – und überhaupt die horrenden Preise, und zwar für alles. Irre.

054

044045  053

Aber hier in Ilford gab es für 5 Pfund reichlich zu essen. Vergiß eat cleaning.. hau rein und ignoriere den Verdacht, der Krautsalat könnte nen leichten Stich haben.

20170512_183731

051 049 047

Luxus: Mayfair

Hier wird man sozusagen seines Platzes verwiesen, es sei denn man ist ein Millionär/Milliardär arabischer Abstammung. Wir ließen es uns dennoch nicht nehmen einen gepflegten Spaziergang durch Mayfair zu absolvieren und im Sketch einzukehren. Kleiner Tipp am Rande: Reservierung und viel Bargeld nicht vergessen! Mein Glück, dass ich zuviele Highclass Blogs lese und dadurch vom traumhaften pinken Interior des Sketch wusste, und nicht zu vergessen den Ei-ähnlichen futuristischen Toiletten. Das Personal ist sehr nett und man wird auch nicht abgewiesen wenn man völlig verschwitzt und aussehend wie Dresden`45 daher kommt. Die Preise auch hier jenseits von allem – aber hey, die Garderobe war immerhin kostenlos!

Samsung 145 Samsung 147

20170513_162940

115120 117  119

Home of Amy Winehouse: Camden

Ich habe noch nie soviele Piercing-/Tattoostudios auf einem Haufen gesehen. Den riesigen Camden-Market muss man zwar nicht unbedingt gesehen haben, Spaß gemacht hat es aber trotzdem sich durch die Stände zu wühlen. Abseits der fliegenden Händler gibt es wirklich schöne und originelle Sachen.

143

153 151 150 149 148 144 142

Shop till drop: Carnaby Street

Glücklicherweise findet sich hier für jeden Geldbeutel etwas. Besonders Marken wie Monki oder Topshop haben tolle Klamotten.132 129 128

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits aus dem Hotel auschecken müssen und keinen Bock unsere Taschen mit durch die Stadt zu schleppen. Carnaby lag grobe Richtung Flughafen Heathrow.. also was tun? Wir fragten in der hiesigen U-Bahn-Station einen Schuhmacher ob er unsere Taschen gegen einen Obolus von 5 britischen Pfund bis zum Nachmittag bei sich unterstellen würde. Wir boten an, er dürfe unsere dreckige Wäsche nach vermeintlichen Bomben durchwühlen was auch verständlich wäre ob aller Anschläge die leider in letzter Zeit weltweit stattfinden. Er lehnte vollkommen vertrauensselig ab und verwahrte unser Gepäck ohne großes Gedöns. Wir empfehlen hiermit den “Mr. Minit” im Underground, Ausstieg Oxford Circus offiziell wärmstens weiter! (Schließt sonntags um 18 h). Also hopp hopp!

124 122

Hello Hyde Park!

111 110

Ein Denkmal für Tiere! Mein Herz tanzt.

106 105

Schnubbeprodukte.

103

Die folgenden Bilder lassen sich zusammenfassen unter: alles mit dem Bus abgeklappert. Hop on. Hop off.

093 089 088 087 085 080 079 067

Alltagshelden: Fensterputzer. Einerlei ob in New York oder London – wer an Seilen hängend in dieser Höhe seine Arbeit verrichten kann hat meinen Respekt. Und meine Hochachtung. Ich werde versuchen mich daran zu erinnern wenn ich mich wieder über meinen Job beklage, der bequem und mehr oder minder ohne lebensgefährliches Risiko am Bürotisch stattfindet. Stichwort: einschlafen und sich den angespitzten Bleistift ins Auge rammen zum Beispiel.

066 065 062 055025

033 029

Bye Bye London, es war mir ein Vergnügen.

NO.

My name is no/my sign is no/my number is no.
You need to let it go… wo kommt dieser Ohrwurm bloß her?? Und wo geht er hin… und überhaupt – was ist die ganze Zeit über eigentlich los??

So zusammengefasst und rückblickend, wenn ich alles in einen Tag packen müsste:

Morgens…
…klickte ich mich wie immer durch diverse Modeblogs in denen ich erfuhr, dass ich unbedingt dranbleiben sollte weil bald über „spannende Projekte“ berichtet werden würde. Ich dachte mir, dass ich diesen Satz in letzter Zeit des Öfteren gehört hatte aber die „spannenden Berichte“ leider ausgeblieben waren und hatte somit keine Lust darauf zu warten. Desweiteren sparte ich mir den Klick auf die Affiliate-Links, weil es ohnehin nicht dazu kommen würde dies und das zu „shoppen“.  Die Autorinnen fand ich aber sehr hübsch. Und toll gekleidet versteht sich! Über „Feminismus“ und damit einhergehende sich gut verkaufende weiße Shirts mit schwarzem Aufdruck las ich so viele Artikel (für und wider) und auch über den Begriff an sich und ob man diesen nicht lieber in „Humanismus“ umwandeln sollte, das ich im Endeffekt nicht mehr wusste ob ich Feminismus gut oder schlecht fand und welcher Meinung ich denn überhaupt sein sollte. Zumindest meine Ansicht, Sexismus zu hassen wie die Pest, blieb.

Mittags…
…ließ ich mich von einer Person maßregeln die mich wie ein Schulkind ansprach, und von irgendetwas faselte das klang wie: „es ist nicht WAS du sagst sondern WIE du es sagst.“ Ich betrachtete das Gespräch daraufhin als beendet und dachte, es sei eine angemessene  Reaktion meinerseits den Hörer kommentarlos aufzulegen. Was ich dann auch tat. Ich fragte mich in welcher Rechenwelt 75% halbtags sind (das wären nämlich 50%) und warum man TEILZEITkräfte generell herabwürdigte (Neid?) und Selbigen das Recht auf Internetsurferei in der Pause absprechen wollte. („Das können die zuhause machen!“)

Als nächstes folgte ein verbaler Einlauf von einer anderen (Un)Person die mich anging, weil ich die Frechheit besaß, um Kontaktdaten eines Geschäftspartners zu bitten. Mir schossen Wortfetzen wie „oversexed“, „underfucked“ (und Schlimmeres) durch den Kopf, für die ich mich auch ad hoc schämte (Angst vor der Karmakeule) aber dennoch nicht verstand, warum sich diese Person für so überlegen und talentiert hielt. Nun, da gehen die Meinungen wohl auseinander. Weit. Auseinander.

Nachmittags…
…bekam ich ungefragt Meinungen zum Thema “Kinder im Gymnasium” mitgeteilt. Angefangen von “werden zerstört”, über “müssen nach ein paar Wochen ohnehin die Schule wechseln” bis hin zu “ich habe mehr als NUR 1 Kind worum ich mich kümmern muss” und als Gipfel “deine Tochter hat mehr als nur 2 Erwachsene die mit ihr lernen können”. Oh. Ich öffnete mir ein Bier in der Plastikflasche (schlecht) mit praktischem Schraubverschluss, welches ich in einem Billig-Discounter erstanden hatte und fragte mich gleichzeitig, wie ich das abendliche Boxtraining halbbesoffen stemmen würde (gut). Beide Aktivitäten ließen mich das Thema vergessen in das sich andere und zuguterletzt auch ich mich so hineingesteigert hatte(n). Und doch blieb der Gedanke, wann mir denn der finale Stoß versetzt werden würde, und zwar der, dass mein Kind nur meinen persönlichen Ehrgeiz bedienen müsse und zudem fragte ich mich, wann ich endlich aufhören würde immer wieder gebetsmühlenartig zu wiederholen: “wegen MIR muss sie nicht aufs Gymi!!” (sofort).

Abends…
…installierte ich Spotify auf meinem Smartphone und kam mir damit ungeheuer modern vor, alter CD-Käufer ich. Ha! Ich dachte mir, dass Ed Sheeran zwar aussieht wie ein Waldschrat aber dafür ausgleichender Weise absolut resolut wundervolle Musik macht und ich trotzdem die neue Depeche Mode CD körperlich brauchte, und sei es nur wegen dem Anstecker den man gratis dazu bekam, alter Fuchs ich. Und dem Booklet. Mein schiefer Gesang und graziöses Getänzel zu “Castle on the hill” kam nicht besonders gut bei meiner 9-Jährigen an. Sie, und auch der Kater wie sie mir anvertraute, fanden das “sehr nervig.” Ich machte mir nichts daraus und war nur minimal gekränkt. Anschließend beschloss ich, wieder einmal zu bloggen einfach so WIE ich es kann, nämlich ausschließlich ironisch, und die Schere aus meinem Kopf zu verbannen. Dann dachte ich noch eine Weile darüber nach wie wenig man andere Menschen ändern kann, und noch nicht einmal sich selbst…

Outfit: **freeze**

Dieses Bild entstand im Harald Glööckler Pop-up-Store. Sorry…. musste sein, übertrieben find ich gut 🙂
306

Bei den momentan herrschenden arktischen Temperaturen fühle ich mich in Kuschelpulli und Jeans am wohlsten. Manko: ich finde die täglichen Outfits nicht wirklich inspirierend oder abbildbar.. nu ja. Originell ist auch wahrscheinlich was anderes. Außerdem oute ich mich hiermit als Frostbeule, darum war am Wochenende nur ein schneller Knipps mit dicker Jacke drin.  Minus 10 Grad Celsius sind nun auch wahrlich kein Pappenstiel. Was jedenfalls gar nicht in Frage kommt ist der Flanking-Trend mit nackten Knöcheln und Sneakern. Im Ernst, ich habe eine Zehntelsekunde darüber nachgedacht und mich dann selbst ausgeschimpft über diesen Schwachsinn. Was ist erstrebenswert an Lungenentzündung? Ehm.. gar nichts. Argumente die ich für und über diesen ausgemachten Blödsinn las brachten mich zum Wiehern: “Ich friere nicht an den Knöcheln.” Ach so. Und im Sommer schnallen wir uns ab jetzt Moonboots an die Füße und argumentieren, dass wir an den Knöcheln nicht schwitzen während wir gepflegt und stilvoll in Ohnmacht fallen wegen Hitzschlag oder was. Watzefack.?!?

284285

Aber was jammere ich hier rum. Am Wochenende sah ich einen Obdachlosen an einer Bushaltestelle schlafen. Er lag zwar auf 3 gestapelten Matratzen und in mehreren Schlafsäcken, trotzdem lässt mich dieses Bild nicht los. Viele obdachlose Menschen sterben im Winter einen bitteren Kältetod. Ich frage mich warum dieser einsame Mann nicht zur Bahnhofsmission ging. Wie schlage ich einen eleganten Bogen von dieser traurigen Tatsache zu meinem Outfit-Post? Da gibt es keinen. Zumindest keinen blumigen. Leider ist es so, dass auf der einen Seite Menschen ohne Heim ihr Dasein fristen während wir auf der anderen unserer trivialen inneren Shoppingqueen frönen. Ich hatte einmal die Gelegenheit mit einem Obachlosen zu sprechen, er sagte “ich mache seit 20 Jahren Platte”. Er wolle es so, einen festen Wohnsitz könne er sich nicht vorstellen. Wir rauchten eine Zigarette und unterhielten uns eine Weile bis jeder wieder seiner Wege ging. Das Gespräch war nur kurz und die Begegnung ist inzwischen einige Jahre her, aber vergessen habe ich es nicht. An solchen Tagen denke ich wieder daran.

Das Outfit ist ein wild zusammengewürfelter Look aus bereits älteren Klamotten. Lagen über Lagen gaben die nützliche Wärme, Strumpfhose unter den Leggings fallen nicht weiter auf.

Ringelleggings: H&M
Tasche: H&M
Stulpen: uralt
Stiefel: Bershka
Lackmantel: New Yorker
Sternenschal: Only

Lingerie vs. Pyjama

Momentan bin ich auf der Suche nach einem Pyjama. Seit Jahren penne ich in alten Shirts und Shorts, in kälteren Monaten in Longsleeves und bequemen Leggings. Seit neuestem geht mir das aber gegen den Strich und mir steht der Sinn nach einem Zweiteiler der nicht nur cool aussehen soll sondern vor allen Dingen bequem ist und wärmt. Bei Minusgraden nicht die schlechteste Idee. Außerdem könnte ich in so einem Ensemble auch souverän die Tür öffnen ohne rot zu werden. Da kam der Weihnachtsurlaub gerade wie gerufen, denn der ist für mich unter anderem dazu da, ausgiebige Stadtbummel zu unternehmen. Und so hatte ich richtig Bock auf das Unternehmen Schlafanzug. Irgendwoher blitzte auch der unangenehme Gedanke auf, wenn ich plötzlich ins Krankenhaus müsste, ich hätte nicht einmal einen Pyjama der sich sehen lassen kann. Nur Shirts mit so netten Sprüchen wie z.B. “Ich hasse euch alle”, “Niedlich kann mich am Arsch lecken”, “Satanischer Ritualmörder”.. und dergleichen. Man erkennt den alten EMP-Stammkunden natürlich in der ersten Sekunde. Oder die alten Sprüche von Mutter und Oma: “Kind, schau dass du keine Löcher in den Socken hast. Überleg mal, du hast einen Autounfall und musst ins Krankenhaus, und sie ziehen dir die Schuhe aus und du hast Löcher in den Socken! Undenkbar!!”

Been there, done that. Nur ereignete sich besagter Autounfall Samstag abends vor dem Ausgehen und ich lag in schönster Spitzenunterwäsche inkl. Stringtanga in meinem rückenfreien stylischen Krankenhausflügelhemd. Auch irgendwie nicht schön und durchaus etwas peinlich wenn man mit dem Infusionsständer heimlich in die Toilette abschiebt weil man der Bettpfanne entgehen will. Aber zurück zum Text, ich schweife ab.

Ich betrat die jeweiligen Unterwäsche/Nightwear Abteilungen und ich sah: sexy Unterwäsche, Spitze in rot, schwarz und weiß, Strapse, Netzbodies.. kurzum: erotische Lingerie in allen Farben und Formen für die erwachsene Frau mit einem aktiven Liebesleben. So stelle ich mir die Zielgruppe zumindest vor.  Direkt nebendran: Pyjamas für erwachsene Frauen, verziert mit: Wolken, Bärchen, Pinguinen, Mäusen, Pandabären, Herzchen. Kindisch und infantil bis zum Steinerweichen. “Pizza Party” stand darauf oder ähnlicher Schwachsinn. Was ich hätte noch akzeptieren können wären Planeten oder Sterne gewesen. Ich exerzierte das Spielchen bei ca. 6 Geschäften durch und fand überall mehr oder minder das Gleiche vor. Hm. “Kommt schon, gebt mir Punkte oder Karos! Bitte!” Flehte ich im Stillen. So ungefähr wie Jess bei “The new girl.” Die sind doch schön!

newgirl

Für Ally Mc Beal bin ich schon zu weit weg.

allymcbeal

Ich gab auf und zog den Mann zu rate. Mit “zog” meine ich im wahrsten Sinne des Wortes, ich zog ihn an der Hand durch die Abteilungen und zeigte ihm das vermeintliche Trauerspiel. Er fand es nicht weiter tragisch und meinte, ich solle die Planeten-Edition nehmen. Tat ich nicht. Auf die Frage, wie erotisch er eine Frau in einem Bärchen-Pyjama fände, zuckte er mit den Schultern und erwiderte, es würde ihn nicht stören oder gar abtörnen. Flashback: hatte sich je ein Mann in meinem Leben für schöne Unterwäsche  begeistern können und diese zu würdigen gewusst? Klares Nein. Größter Stellenwert für Dessous war schon seit jeher, husch husch aus mit dem Zeug und zwar schleunigst. Auf den Boden damit. Nacktheit rules.

Ich aber fragte mich, wie das Bild einer Frau heutzutage eigentlich dargestellt werden soll. Vor meinem inneren Auge entstand diese Abfolge: zuerst quasi die sexy, wilde Geliebte, raffiniert eingehüllt in erotische Dessous für schöne Stunden (oder Minuten?) zu zweit. Und danach verschwindet sie im Bad, putzt sich die Zähne, schminkt sich brav ab, knödelt sich die Haare auf und kommt im Hello Kitty Schlafanzug zurück ins Bett . Ich kann da keine Brücke schlagen, tut mir leid. Zumindest nicht für mich. Außerdem komme ich nicht umhin mir den dazugehörigen Mann vorzustellen. Die Diskrepanz könnte nicht größer sein. Was für eine Wahl im Lingerie und Pyjama-Segment hat er schon? Die Slips in schwarz, weiß oder grau. Schlafanzug in braun oder ähnlichen aufregenden Nichtfarben. Gäääähn. Jedenfalls existiert kein so großer Graben zwischen Unterwäsche und  Pyjama. Zumindest sah ich keinen Schlafanzug mit Charlie Brown, Tweetie und Woodstock für den Mann. Dafür aber mit Weihnachtsbäumen und Zuckerstangen. Naja. Macht mich dann auch nicht gerade wild…