Schlagwort-Archiv: Frauentag; Feminismus

Frauentag.

Wie lange (laaaaaannnggeee) habe ich nichts mehr zum Thema Frauentag geschrieben? Es ist Jahre her. Obwohl ich soviel zu sagen hätte, soviel zu schreiben und zu schreien. Doch manchmal geht mir die Puste aus. Da schlägt mein Asthma voll durch, lässt mich hecheln, keuchen und um Atem ringen. Es kann einem schonmal die Lust vergehen wenn man sich fragen lassen muss, ob man lesbisch geworden sei. So sehr stieß einem alten, weißen Mann mein sogenanntes feministisches Engagement auf. Dabei tue ich nichts weiter als darüber zu reden. Ich bin weiterhin hetero aber habe keine Ahnung, was meine sexuelle Orientierung per se mit Frauenrechten zu tun hat? Es spielt keine Rolle mit welchem Geschlecht eine Frau ins Bett geht, du dummer, alter, weißer, ignoranter kleiner Mann. Es ändert nichts an der Sache. Am 8. März ist Frauentag.

25.05.2018.

Ich gehe in die Sauna, sagt er. Gut, sage ich und begreife insgeheim nicht, wie jemand bei der Affenhitze von 36 Grad freiwillig in die Sauna gehen kann. Kann mir nur recht sein denke ich, so kann ich auf dem Hotelbett lümmeln, Bier trinken und Champions League Finale schauen. Ich hatte zwar gehofft, wir könnten in einem der vielen Münchner Biergärten Public Viewing machen, aber ich wollte nicht meckern, das Wochenende hatte sehr schön angefangen, wir hatten gut gegessen und waren sinnlos einkaufen also was soll´s. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich bald laut schreien werde und später weinen muss. Ich sehe Loris Karius und bin schwer geflasht von seiner Attraktivität. Leider serviert der Torwart von FC Liverpool mit zwei Patzern Real Madrid den Sieg auf einem Silbertablett und wird damit zur tragischen Figur die im Gedächtnis bleibt. Ich kann es überhaupt nicht glauben und brülle Rob das Ergebnis halbbesoffen auf dem Bett springend entgegen, dieser versteht nur Bahnhof und es interessiert ihn auch überhaupt nicht. Noch weniger versteht er, warum ich plötzlich in Tränen ausbreche. Die Nachrichten nach Spielende verkünden – und ich hatte nicht daran geglaubt – Irland kippt sein Abtreibungsverbot.

Im Referendum über die Abschaffung des Abtreibungsverbotes in Irland 2018 stimmte die irische Bevölkerung mit über 66 Prozent dafür, die Verfassung zu ändern und damit zu ermöglichen, Abtreibungen zu legalisieren. Zuvor hatte Irland eines der strengsten Abtreibungsgesetze in ganz Europa. Selbst nach Vergewaltigungen, Inzest oder einem kranken Fötus waren Schwangerschaftsabbrüche strafbar, dafür gab es lebenslänglich . (Verantwortlich dafür war ein Gesetz aus dem Jahre 1861). Für eine Abtreibung mussten betroffene Frauen nach Großbritannien reisen.

Heute

In Berlin wird der Frauentag dieses Jahr zum zweiten Mal als Feiertag begangen. Vielleicht habe ich endlich mal den Mut, meine Tochter an die Hand zu nehmen und mit ihr an einer Demonstration für Frauenrechte teilzunehmen. Frauenrechte sind nämlich Menschenrechte. Vielleicht lacht mich die ein oder andere Gesprächspartnerin auch nicht mehr aus, wenn ich von Feminismus spreche, und davon wer dafür gekämpft hat, dass wir Menschen mit Menstruationshintergrund ein eigenes Konto eröffnen, oder den Job unserer Wahl ausüben dürfen, ohne schriftliche Einwilligung des Ehemanns.

Wir brauchen am Sonntag keine Blumen und auch keine T-Shirts mit feministischen Sprüchen im Sonderangebot bei H&M. Wir brauchen Gesetze, die unsere Situation verbessern. Eine Politik, die sich weltweit stark macht gegen die tägliche Gewalt die an Mädchen und Frauen verübt wird. Gegen Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Ehrenmord, schlechtere Bezahlung, Gender Pay Gap, gläserne Decke, Kinderarmut (was nichts anderes bedeutet als die Armut der Mütter), Altersarmut und vieles mehr.

Was wir nicht brauchen ist beispielweise ein Gesundheitsminister, der ernsthaft Bedenken äußerte, Frauen könnten die “Pille danach” wie Smarties einwerfen. Man bekommt diese in Deutschland mittlerweile rezeptfrei, weil sich die EU die Union mit ihren mittelalterlichen Ansichten zur Brust genommen hat. Die Aussage Herrn Spahns ist demütigend, definiert sie doch Frauen als verantwortungslos und dumm.

Die beschlossene Reform des Strafrechtsparagrafen 219 a sieht vor, dass Ärzte, Krankenhäuser und Einrichtungen künftig darüber informieren dürfen, dass sie Abtreibungen vornehmen. Außerdem soll es eine von der Bundesärztekammer geführte Liste mit Ärzten geben, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Der medizinische Eingriff des Schwangerschaftsabbruchs ist aber nach wie vor Bestandteil des deutschen Strafgesetzbuchs. Absolut zu Unrecht, es geht die Regierung nämlich schlicht nichts an ob eine Frau ein Kind bekommen möchte oder nicht. Das eine Frau nicht alleine über ihren eigenen Körper bestimmen darf ist eine absolute Unzumutbarkeit, hierüber darf es keine Kompromisse geben! Kanada geht mit gutem Beispiel voran, hier gibt es überhaupt kein Abtreibungsgesetz mehr. Ein Schwangerschaftsabbruch darf nicht tabuisiert und stigmatisiert werden, dies ist ein Anachronismus und bedeutet einen gesellschaftlichen Rückschritt.


Wenn wir uns aber prostituieren und im Porno missbrauchen lassen, dann ist das wohl Ausdruck unserer Freiheit und unserer Fähigkeit, über uns selbst zu bestimmen. Deutschland ist das „Bordell Europas“, wo Frauen ganz legal als Ware verhökert werden dürfen, daran wird auch das (nicht mehr) neue Prostitutionsschutzgesetz wenig ändern. Das Elend passiert somit vor unserer Haustür: in den Laufhäusern, den Flatrate-Puffs, auf dem Straßenstrich, in den einschlägigen Stundenwohnungen und Wohnwägen. Täglich. Mit Zustimmung durch den Vater Staat. Schimpfen wir weiter auf Flüchtlinge, die Jagd auf deutsche Frauen machen. Der aufrechte Deutsche vergewaltigt seine Frauen aus dem Ostblock lieber gegen Entgelt im Rotlichtviertel, das scheint ok so und moralisch nicht weiter verwerflich.

97 Prozent der Vorstände in Europa sind Männer. Bei der Frauenquote wird nur umgesetzt, was im Koalitionsvertrag festgehalten wurde und gleiche Gehälter für beide Geschlechter sei auch nur für Unternehmen ab 500 Mitarbeitern denkbar. So weist der aktuelle Deutsche Bundestag mit 30,7% einen nach wie vor sehr niedrigen (und von einem Rückgang gekennzeichneten) Frauenanteil auf. Bei Frauen in Führungspositionen liegt Deutschland mit 35% im europäischen Vergleich weit hinten. Beispiele wie Sheryl Sandberg in den USA oder Angela Merkel hierzulande sind leider absolute Ausnahmen auf die keine Regel begründet werden kann.
Frauen verdienen im Durchschnitt 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, ihre Rente ist dank Kinderpause und Teilzeitjob um 60 Prozent niedriger als die der Männer. So zementiert man Ungleichheit, es bedeutet, dass auch unsere Töchter noch für eine gerechte Bezahlungen kämpfen müssen, obwohl Frauen nach wie vor den Löwenanteil der Erziehungs- und Pflegearbeit leisten. Häusliche Tätigkeiten werden übrigens bei der Berechnung des Bruttoinlandsproduktes unsichtbar gemacht. “Hausfrauen” gelten als “Nichtproduzierende”, “inaktiv” und “unbeschäftigt”. Bitte denk daran falls du eine Frau bist die mir schon erzählte, dass sie es nicht nötig hat zu arbeiten, oder nur ein bisschen was dazu verdient weil der Mann ein Schweinegehalt hat und mehr als genug für die Familie nach Hause bringt. Die durchschnittliche Ehe hält nur 12 Jahre, leider.

I do not wish women to have power over men; but over themselves.

Mary Shelly