Woman, interrupted

Ich wollte einsam und verzweifelt sein, speziell (= bekloppt) agieren – so wie Schriftsteller, die ich in Filmen gesehen hatte, betrunken und rauchend über ihrer Schreibmaschine sitzend. Tja, schreiben ist nichts Besonderes. Man setzt sich hin und blutet in die Tasten – sehr frei nach Hemingway zitiert. In Tränen aufgelöst. Manchmal den Verstand verlierend – wie Jack Nicholson in Shining zum Beispiel. Nur ohne den versuchten Axtmord. Ich sah mich nicht als Mörderin, aber Verzweiflung und Tränen produzieren – DAS konnte ich. Scheiße, und wie ich das konnte.

Benahmen wir uns nicht alle in irgendeiner Art und Weise klischeehaft wie bereits in unzähligen Serien und Filmen gesehen? Konnten wir nicht anders, als diese Bilder zu reproduzieren – in Ermangelung eigener Fantasie? Mangel war ohnehin mein ständiger Begleiter. Vor einigen Jahren erzählte mir eine Schulkameradin, wie sie ihre schwer erkrankte Mutter aus dem Koma erwecken wollte. „Ich habe es gemacht wie die im Fernsehen! Wie bei Grey´s Anatomy! Ich nahm die Stimme meiner kleinen Tochter auf Band auf und ließ sie schreien OMA WACH DOCH BITTE WIEDER AUF! Und das habe ich ihr auf der Intensivstation vorgespielt.“ Ihre Mutter erfreut sich heute bester Gesundheit.

Ich vergaß, dass meine Katharsis nicht aus Alkohol und Zigaretten bestand, sondern aus dem Schreiben. Vergaß es immer und immer wieder. Schob die Schuld allem Möglichen zu, nur nicht mir. Die anderen waren schuld, der stupide Bürojob, die fehlende Zeit. Dass ich Talent hatte wusste ich. Zum Glück hatte ich Menschen um mich, die mich stetig daran erinnerten. Eine Person sogar so sehr, dass ich am darauffolgenden Tag weinen musste. Ich heulte natürlich aus Frust über mich selbst, für die Standpauke war ich überaus dankbar. Nebenbei sei erwähnt, dass diese Person berufsbedingt Psychologie studiert. Verdammt, hatte sie mir in den Kopf gesehen??

Vermutete, der Wein fördere meine Kreativität, Alkoholismus gehöre zum Prozess des Schaffens eines Künstlers dazu. Erklärte meinem Mann, dass ich Autorin war, auch wenn ich kein Buch veröffentlicht hatte. Ich hatte irgendwo gelesen, dass Verkaufszahlen nicht wichtig waren, man fragte ja auch keinen Schreiner wie viele Särge er in seinem Leben schon verkauft hatte um dessen Karriere und Schaffen glaubwürdig zu untermauern. Spürte, dass das die Wahrheit war. Wir waren nicht verheiratet, aber manchmal war unsere Beziehung so nervig, dass sie sich anfühlte wie eine Ehe. Nur dass mir die fehlende Heirat mit der Zeit immer wichtiger wurde aus Gründen die sich mir selbst nicht erschlossen. Vermutlich, weil ich endlich kapiert hatte was Beziehungen auch negatives ausmachten. Was eine Ehe ausmachte. Vielleicht war ich wirklich endlich erwachsen geworden? Ich hatte zu lange gebraucht um zu begreifen, dass man in jeder Beziehung hinzunehmen hatte dass es Enttäuschungen, Lügen, Krisen, Schmerzen und Demütigungen gab. Dass so viele von uns den bitteren Teil von „in guten wie in schlechten Zeiten“ ausblendeten. Wir nehmen an, dass wir Glück verdienen, aber nicht das Unglück. Ich hatte den Faden einmal abreißen lassen, diesen Fehler wollte ich kein zweites Mal machen. Es fühlte sich so viel lebendiger und lustiger an zu erzählen, wie man sich filmreife Szenen wegen Kinkerlitzchen geliefert hatte, und am Tisch wurde gelacht und eine ähnliche Story erzählt. Da schau an, unter jedem Dach ein Ach. Den Schatzi-Perfect-Käffchen-Scheiß interessierte doch nun wirklich keine Sau.

Beleidigt drückte ich ihm den Verlobungsring in die Hand. Eine theatralische Geste die ausdrücken sollte, dass sich das Tragen desselbigen für mich mittlerweile falsch anfühlte. Und überhaupt, wo waren all die Exzentriker auf dieser Welt? Mit großen Erwartungen fuhr ich zur Buchmesse nach Frankfurt, hoffte auf Schriftsteller im Stile eines Maximilian Schell (Stichwort: weißer Schal). Keiner da. Alle herrlich normal, vielleicht wollte man nicht auffallen und so der Masse suggerieren: “Hey, ich bin einer von euch!” Aber ihr seid nicht wie wir. Ihr seid anders. Ihr veröffentlicht das, was ihr in die Schreibmaschine geblutet habt und bietet es uns zum Kauf an. Ihr seid mein fleischgewordener Traum, denn ich bin alt. Junge Menschen beten ausschließlich You-Tuber an, glaube ich zumindest. Was mir früher Unbehagen bereitete wünschte ich mir nun sehnlichst herbei, einen Klaus Kinski z.B. der schrie “Halt doch deine Fresse, du dumme Sau!” Natürlich nicht DEN Klaus in Persona, nur exzentrisch halt – aber talentiert und ohne den Mißbrauch, das versteht sich von selbst. Alles, nur kein Abziehbild von einem Abziehbild von einem Abziehbild.

Ich goss mir noch ein Glas ein, obwohl ich den Wein als Fusel einstufte, der obendrein auch noch beschissen schmeckte. Ja, Weinproben hier und da hatten keine Expertin aus mir gemacht. Außerdem musste man für einen guten Wein bereit sein mehr Geld auszugeben. Mein Konto war dazu nicht bereit, hier traf mich nun wirklich keine Schuld. Ein weiterer Frustpunkt auf meiner Lebenstabelle. Das Gehalt, der Kontostand, das fehlende Vermögen. Das sich-nicht-leisten-können was einem vermeintlich zustand.

Ich öffnete Instagram um mich abzulenken und einer Bekannten zu folgen, die ein zweites Profil erstellt hatte. Ein Autorenprofil. Ich wusste schon länger, dass sie Romane schrieb, veröffentlichte und recht fleißig war. Sie postete, sie fände keinen Verlag der ihre Bücher veröffentlichen wollte. Das tat mir leid und war zudem pures Gift für meine empfindliche von Selbstzweifeln geplagte Schreiberseele. Des Weiteren hatte ich per PN einen Mittelfinger kassiert, von einem Fremden den ich entfolgt hatte weil mir sein Profil nicht mehr gefiel und das mich langweilte. Ich blockierte den Idioten und verbrachte gedanklich zu viel Zeit damit, mich mit einem völlig Fremden zu beschäftigen der mich via Emoji Geste beleidigt hatte, weil er nun eine fremde Followerin in einer virtuellen App weniger hatte. Als im TV ein elektronisches Gerät beworben wurde, welches man fragen konnte wie das Wetter draußen gerade war, reichte es mir. Ich schrie den Fernseher an, dass man einfach nur das verfickte Fenster aufmachen und den Rüssel raushängen müsse!! Die ganze Welt war verrückt geworden.

Lost & found

Es war Dienstagabend, der 23.10.19 um ca. 23.45 Uhr und ich checkte meine Nachrichten am Handy. Ich sage immer „Handy“, der Begriff „Smartphone“ kommt mir nicht über die Lippen. Der Tag war stressig gewesen, und nach dem Elternabend kam ich jetzt endlich dazu, mich auf den neuesten Stand zu bringen. Ich hatte was meinen verschwundenen Kater betraf gerade die Phase der Akzeptanz erreicht, da bekam ich per WhatsApp ein Foto welches eine Bekannte aus Facebook kopiert hatte. Es zeigte eine schwarze Katze, und sie schrieb dazu: „Könnte das euer Dave sein?“ Ich studierte das Bild genauer. Auf den ersten Blick hatte er nichts mit meinem großen, stolzen und schweren Kerl gemeinsam. Aber es ließ mich nicht los. Zu zweit vergrößerten wir das Bild, studierten jedes einzelne Härchen und kamen zu dem Schluss: es besteht eine frappierende Ähnlichkeit. Da ich aus FB raus war, schrieb ich meiner Bekannten sie solle die Dame, welche die „Katze zugelaufen“ Meldung veröffentlicht hatte, bitte kontaktieren und ihr meine Nummer geben, sie möge sich mit mir in Verbindung setzen. In dieser Nacht wälzte ich mich nur herum. Konnte es wirklich wahr sein, gefunden 17 km weit entfernt im Wald??? Ich dachte, er wäre tot. Die Eckdaten passten, Rasse, kastriert, Farbe.. usw. Dass er nach 3 Monaten Wanderschaft verändert aussah verstand sich von selbst.

Mittwoch, 24.10.19 07:00 Uhr. Mein Handy klingelte, unbekannte Nummer. Ich ging dran, die Finderin war am anderen Ende der Leitung. Wir tauschten uns aus, schickten Bilder hin und her.. aber es half alles nichts. Ich sagte ihr, ich müsse ihn live und in Farbe sehen, wir erkennen einander. Das Hin und Her musste ein Ende finden. Dieses Wechselbad der Gefühle hielt ich nicht aus. Falls nicht wäre es eben so, aber ich würde mir ewig Vorwürfe machen wenn ich es nicht überprüft hätte. Ich durchsuchte meine Unterlagen vom Tierarzt, ich hatte ihn nämlich kastrieren und tätowieren lassen. Das war 2016. Ich konnte die Papiere nicht finden, war aber ohnehin nicht Herr meiner Sinne. Nach 3 eilig gerauchten Zigaretten (das Nikotin sollte mich beruhigen, so hoffte ich) rief ich bei meiner Tierärztin an und schilderte die Situation. Die Sprechstundenhilfe druckte mir eine Kopie aus die ich abholen wollte, quasi als Beweis das es mein Kater war. Man konnte die Zahlen in den dunklen Öhrchen mit den Puscheln gerade so erkennen. An Arbeit war nicht zu denken, ich schlurfte wie ein Zombie durchs Büro und war gedanklich meilenweit weg. Ständig hing ich am Handy.. um 11 Uhr morgens hielt ich es nicht mehr aus. Ich erklärte den Kollegen was los war und bat darum gehen zu dürfen. Zum Glück gehören zu den engsten Kollegen Katzen-und Hundebesitzer die vollstes Verständnis hatten. Ich haute ab. Trotz meines Chaos im Kopf und im Bauch war ich soweit strukturiert:

1)      Tierarzt, Papiere abholen

2)      Bank, Bargeld abheben

3)      Transportkorb zuhause mitnehmen

4)      Ohne Unfall zu den Findern zu gelangen

Wie ich zu der angegebenen Adresse gelangte weiß ich nicht mehr. Meine Gedanken liefen Amok: was wäre, wenn sie den Kater nicht rausrücken würden? Was würde ich tun? Wenn es doch nicht Dave wäre? Wenn wenn wenn…

Ich klingelte und marschierte durch den Hof, sie wartete an der Balkontür auf mich, zu ihren Füßen Dave. Ich erkannte ihn auf den ersten Blick. Sie ließ mich herein, ich kniete mich auf den Boden und fragte: „Dave?“ Er kam auf mich zu, ließ sich auf den Arm nehmen. Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten und heulte ihm in sein Fell während ich ihn hin und her wiegte wie ein Baby. Zum Teufel mit der Selbstbeherrschung! Trotzdem entschuldigte ich mich für meine Heulattacke. Vor fremden Menschen die Contenance zu verlieren hat etwas despektierliches. Lieb fand ich, dass sie sich einfach zu mir auf den Boden setzte. Manche Gesten sagen mehr als 1000 Worte. Die Zahlen in seinen Ohren fegten jeden Zweifel beiseite, er war es. In der Zwischenzeit hatte sich herausgestellt, dass die Finder ihn bei einem Tierarzt vorgestellt hatten, dieser hatte die Tätowierung identifiziert und daraufhin meinen Tierarzt kontaktiert. Es lebe die deutsche Gründlichkeit! Es war also amtlich.

Er war so leicht, er hatte eine Menge an Gewicht verloren. Gut 20 Zecken waren ihm entfernt worden, das Fell etwas gestutzt und gekämmt. Dave hatte auch das Herz seiner Pflegemama im Sturm erobert. Sie hätte ihn gerne behalten wenn sich niemand gemeldet hätte, ins Tierheim wollte sie ihn nicht geben. Wir unterhielten uns noch eine Weile, sie gab mir alles Futter mit was sie für ihn besorgt hatte und bat mich in Kontakt zu bleiben und ab und zu ein Bild zu schicken, was ich ihr gerne versprach. Ich drückte ihr 2 Scheine in die Hand, empfand es als das Mindeste. Wieder einmal merkte ich wie verschissen gleichgültig mir Geld doch war wenn ich nur meine Liebsten um mich hatte – und das im besten Fall gesund und munter. Im Auto tätigte ich 3 Anrufe, schranzte zum Abschied über einen Bordschein – es empfiehlt sich einfach nicht, zitternd und verheult Auto fahren zu wollen – aber scheiß drauf. Nach genau 3 Monaten war unser Ausreißer wieder da. Für was die sogenannten sozialen Medien und Netzwerke (die ich oft als asozial empfand) DOCH gut waren! Wir sind sehr dankbar.

Danke an alle die so hilfsbereit waren, Suchplakate geklebt, Meldungen geteilt, mir geschrieben, die Daumen gedrückt, unermüdlich nachgefragt und an ihn gedacht haben. Und last but not least ein riesiges Dankeschön an die Finder, die sich so lieb und selbstlos gekümmert haben. Mir ist vollkommen klar, dass das nicht selbstverständlich ist.

Ich werde euch das nie vergessen.

Missing

Er war weg. Er war nicht mehr da. Nicht mehr greifbar. Drei Tage und Nächte waren seit dem 23.07. vergangen und ich wusste instinktiv, dass er nicht mehr zurückkommen würde. „Drei Tage sind doch gar nichts, jetzt warte doch erst einmal ab.“ Nein, ich kenne ihn, das ist kein gutes Zeichen. Zuerst die Hitzewelle. Gefolgt von Unwetter. Dann heftiger Regen. Keine Spur von ihm. Die Routine unterbrochen. Um 22:00 Uhr nach draußen und gegen 05:30 Uhr Wiederkehr gab es nicht mehr. Lautes Maunzen vor dem Schlafzimmerfenster, dann Traben bis zum Wohnzimmerfenster. Reinkommen, an mich drücken, lachen über die kleinen Zweige und Kletten in seinem Fell. Dreckige Pfoten und Ohren die so blieben, denn putzen würde er sich nicht. Ich stellte mir vor wie es wäre ohne ihn zu sein und dabei war er vor kurzem erst 5 Jahre alt geworden. Hatte ich mir sein Verschwinden herbeigeredet? Herbeigedacht? Heraufbeschworen? „Du übertreibst, es ist doch nur ein Kater. Du tust so, als wäre er ein Mensch.“ „Ich bin eben traurig.“ Und für mich ist er wie ein Kind.

Sein Verhalten wenn er nicht rausdurfte, was ich aus Angst und Sorge oftmals zu verhindern versuchte. Zuerst aggressiv, dann schwermütig und schließlich trübsinnig. Wie ich ihm dankte dass er mich gerettet hatte, aus meiner Lethargie und Depression. Schwarze Kater und ich, das gehörte zusammen wie ich erkannte. Schämte mich für meine Gefühle nur um im nächsten Moment zornig zu werden. Entschied, mich für meine Gefühle nicht mehr zu rechtfertigen oder das Genick einzuziehen. Wusste nicht wie ich das Nachhause kommen in etwas Schönes verwandeln sollte, so wie es früher gewesen war. Fuhr kopflos durch die Gegend, hoffte ihn zu sehen. Ließ den Rollladen einen Spalt oben. „Warum tust du das?“ „Ich hoffe, dass er wiederkommt und an seinem Fenster um Einlass bittet.“ Weigerte mich, in der Vergangenheit von ihm zu sprechen. War enttäuscht und nahm es persönlich, dass manche Suchplakate noch nicht einmal zwei Wochen lang hängen durften. Nur eine Katze.

Träumte von ihm, hörte ihn schreien, wachte auf, erkannte und realisierte: er war nicht da. Sah Schatten von ihm im Flur, abends nach dem Dämmerschlaf auf der Couch zwischen Traum und Wahrheit, schlaftrunken die Treppen hochtaumelnd. Stellte fest: ich hatte Wahnvorstellungen. Ich sehe Schatten an der Wand, wie Jule Neigel einst sang. Wusste nicht wie ich meinen Zorn und meine Verzweiflung kanalisieren sollte (standen mir diese Empfindungen überhaupt zu?) sagte, ich würde gerne jemanden schlagen. Bildete mir ein, eine bestimmte Person hätte mit seinem Verschwinden zu tun, stellte mir vor wie ich diese mit Fäusten attackierte und bedrohte. Schlich alarmiert und beunruhigt um das Grundstück. Schalt mich eine Närrin, paranoid und verwirrt. Revidierte meine Ansichten über mein Seelenheil sofort, sagte mir, wäre er angefahren worden hätte man zumindest seinen Körper gefunden. Doch er war wie vom Erdboden verschluckt, keiner hatte ihn gesehen oder gehört – und er war nur schwer zu übersehen. Oder zu überhören. Man soll keine Unterschiede machen doch ihn bevorzugte ich vor allen anderen Tieren. Tat dies unwillkürlich wie eine Mutter ein bestimmtes Kind bevorzugte.

Ich weiß: es ist ihm etwas zugestoßen (worden), ich kann es fühlen. Nur leider kann ich nichts tun, nur hoffen, dass er nicht leiden musste.

Dieser Text ist allen gewidmet die jemanden vermissen.

Verroht

Ich wusste nicht einmal genau, was mich störte. Und warum es mich störte. Ich wusste nur: es fühlt sich falsch an. Falsch in meinem Bauch, der unangenehm grummelte. Schmetterlinge im Bauch sozusagen, aber nicht auf die gute Art sondern auf sehr unangenehme Weise. Eher wie Flugzeuge im Bauch, wie Grönemeyer sagen würde als er von Liebeskummmer und Seelenschmerz sang. Sag nichts, du willst doch tolerant sein. TOLERANT. LIBERAL. Belächle es und wechsle das Thema.  Alle anderen am Tisch lachen doch auch mit. Jedem das Seine. Jeder wie er mag. Jeder nach seiner Fasson. Du willst doch nicht spießig sein. Verklemmt. Von vorgestern. Wir leben doch in einer Demokratie. So ist das halt. Stell dich nicht so an. Das ist normal. Normal. Normal.Normal.

– Kollege XY ist mit seinen üblichen Junggesellen-Kumpanen mal wieder in Thailand im Urlaub. Kinderf****n. Du weißt ja, kriegen sonst keine ab. Kaltes Lächeln. Das vermeintliche Recht auf Sex. Und sei es nur gekaufter?
– Zum Junggesellenabschied waren wir in Düsseldorf, da geht man vor der Eheschließung nochmal in den Puff, die Kumpels legen alle zusammen und dann kann der nochmal ordentlich bevor er eingesperrt wird. Ist Tradition. Ist ja zauberhaft.
– Hier, bring deinem Mann diesen Gina Wild Film mit. Guck nicht so entsetzt, das schaut jeder Mann, der verheimlicht das halt vor dir.
– Ein Auto wirbt mit “Eros-Center Laufhaus” Aufklebern für ein Etablissment. Visionen von Frauen, die nach Hautfarbe sortiert vor Verrichtungszimmern warten blitzen in meinem Kopf auf. Und der egoistische Gedanke: zum Glück muss ich das nicht.
– Hast du schon gehört, es gibt so eine Art Viagra für Frauen. Dass ihr mal wieder Lust bekommt! (Hm, vielleicht liegt es eher daran, dass Frau keinen Bock auf das immerwährende Schema F des Mannes hat? Randinformation: die Pille unterdrückt die Libido).
– Im Vorabend Programm werben Firmen für Sexspielzeug für Frauen (wen auch sonst?) mit Orgasmusgarantie – ansonsten Geld zurück. Desweiteren werden Cremes und Gele gegen vaginale Trockenheit angeboten. Es ist 18 Uhr, meine Tochter sitzt da, wir schweigen. Ich wüsste nicht was ich dazu zu sagen hätte. (Wann kommt Viagra-Werbung und Reklame für Penis-Pumpen bei Impotenz? Ach so, nie. Stimmt ja. Hab das mit dem Patriarchat kurz vergessen).

Ich bin nicht naiv und spinne den Faden gedanklich weiter, was die Kids sich auf dem Schulhof gegenseitig so auf dem Handy präsentieren könnten. Noch ein Nagel zu meinem Sarg.
Seit ich Instagram habe weiß ich, wer Stoya und Sasha Grey sind, gehypt als Role Model für junge Frauen die immer wieder begeistert Bilder posten, weil diese beiden für “sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung” stehen. Ich vermeide es, mir zu Recherchezwecken diese Filme reinzuziehen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass das Erfüllen männlicher Wünsche und das Vergewaltigen gegen Gage eine sexuelle Befreiung darstellt. Und ich frage mich, warum sie das selbst glauben?
Wie schnell wäre es mit dem Hinnehmen von Pornokonsum und Prostitution vorbei, würde die eigene Tochter sich in dieser kranken, entmenschlichten Branche verdingen müssen?
Und irgendwann wusste ich es. Wusste, was meine Intuition mir schon immer flüsterte, auch in jungen Jahren wo ich noch keine Ahnung von all diesen P-Begriffen hatte,  was sich so falsch und widernatürlich anfühlte. Es war das Herabwürdigende, Verachtende, aber als Normalität verkaufte, das manche -leider viele- aber längst nicht alle Männer den Frauen und deren Rolle in der Gesellschaft entgegenbrachten.

Wie unglaublich verroht das war, festgemacht am Beispiel des onanierenden Mannes vor dem Porno und der Frau mit ihrem Dildo. Soll das eine Beziehung im Jahr 2018 sein deren Motto lautet, ich brauch dich nicht, ich habe mein Ventil und auch mein Werkzeug, geh du in dein Zimmer und ich in meins. Wie unglaublich traurig und deprimierend. Das soll also normal sein. Wir arbeiten getrennt, haben getrennte Hobbies, essen separate Speisen, sind zu unterschiedlichen Zeiten zuhause, schauen getrennt Fernsehen (er Fußball/sie Pilcher), so das Klischee – und on top: getrennter Sex. Autsch. Und zum Geburtstag gibt es einen hübsch verpackten Dildo, wie nett, am besten noch in Pink mit Swarovski-Steinen, jippiiieee!!
Rape me. Rape me my friend singt Kurt Cobain. Und alle singen mit.

Der erste Tag des neuen Jahres

Hallo und Welcome 2018! Da bist du ja auch schon. Hast eigentlich nicht lange auf dich warten lassen, meinem Gefühl nach verflog 2017 geradezu. Vieles war los, positives und negatives aber das ist im Leben eines jeden Menschen so und darum nicht weiter erwähnenswert oder im Detail zu schildern. Heute hatte ich jedenfalls keinen Anspruch an mich selbst, ich verbrachte den Tag im Schlafanzug der aber elegant genug erscheint um damit an die Tür zu gehen – im Falle eines unangekündigten Besuchs. Ein bißchen angeschlagen, müde und erschöpft. Mal wieder mit dem Vorsatz mehr zu bloggen, zu schreiben, dieses Baby redseconals.com was mir wichtig erschien nicht komplett aufzugeben. Keine großartigen Vorsätze für dieses Jahr, höchstens nicht zum Gesprächsthema zu machen wieviel man zu tun hat, wie wenig man schläft und wie fleißig man ist weil ich diese “Olympiade” schon in der Vergangenheit reichlich blöd fand. Was gab´s da auch schon zu gewinnen? Nichts.

Was mich beschäftigte in den letzten Wochen: das Thema Abtreibung -> der Fall Kristina Hänel und die damit verbundene deutsche Gesetzgebung um Paragraph 219a, über dessen Hintergrund ich absolut nichts wusste und was rechtmäßig wirklich dahinter steckt. Selbstbestimmung der Frau in Deutschland? Fragezeichen.

Und heute der Tod von Kim (ehemals Vorstadtprinzessin, Instagram: @kimspiriert). Eine junge Bloggerin, die im Januar 2017 mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert wurde und in der gestrigen Silvesternacht ihrem Leiden erlag. Ein unsäglicher Leidensweg liegt hinter dieser jungen Frau die tapfer die Qualen der Chemotherapie, diverse Operationen und eine Amputation ertrug aber im Endeffekt den Kampf gegen diese widerliche, tückische Krankheit nicht gewinnen konnte.

Und damit hatte es sich wieder einmal: Gesundheit, das größte Gut auf Erden – nicht nur ein dahergesagter Wunsch oder Spruch sondern mit zunehmenden Alter immer wichtiger werdend, auch in Hinsicht auf die eigenen Kinder. Ich werde jetzt mit Sicherheit nicht einen Bullshit schreiben á la: lebe jeden Tag als wäre es dein letzter, das ist Quatsch und kaum realiserbar – außerdem erzeugt es Druck im Sinne von fear of missing out, für das ich eh ein Kandidat bin. Ich habe ständig Angst etwas zu verpassen! Aber Wertschätzung und Pflege des eigenen Körpers sind unerlässlich und Gesundheit nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Zudem wäre es toll Fitness nicht als Körperoptimierungswahn zu belächeln sondern als Lebensversicherung zu betrachten.

Ich wünsche allen einen tollen Start in das Jahr 2018, macht etwas draus!

Liebe Grüße, eure Red

Stuten. Bissig.

Sie kam, sie sah, sie stürmte herein. Nicht übermäßig attraktiv, etwas ungepflegte Haare vielleicht, gewöhnliche Provinzpflanze meiner vorschnellen und gleichwohl ungewollten Einschätzung nach. Unsouveräne Perfomance.  (Es passiert von allein, wir alle urteilen vorschnell, ich, sie). Und sie urteilte nicht nur, sie (re)agierte.  Es hatte ihr schon letztens nicht gepasst dass ich hier war. Wie es mich ankotzte, dass ich diese Schwingungen so ungefiltert aufnahm. Ich wollte eigentlich nur einen ungezwungenen Abend verbringen und vom Alltagsstress abschalten. Ich wünschte mir manchmal mehr Naivität und/oder Abgestumpftheit für mich selbst. Es würde vieles vereinfachen. Weibliches Konkurrenzdenken, Stutenbissigkeit, doch wer kannte das nicht? Immer wieder lautstarkes Nachfragen bei dem Mann mit dem ich mich gerade unterhielt. „Wie geht es deiner FREUNDIN? Geht es IHR gut? Ich habe SIE schon lang nicht mehr gesehen. Sag IHR einen schönen Gruß. Warum ist SIE nicht hier?“ Und so weiter und so fort. Heißt übersetzt: Er ist vergeben, was hast du hier zu suchen? Verpiss dich! Und fühl dich jetzt mal gefälligst unwohl in deiner Haut. Kam diese Frau nicht auf den Gedanken ich könne kein Single sein? No way. Scheinbar reichte der kleine, beschränkte Horizont nicht so weit. Sie wandte sich zum Gehen, nahm in aggressiver Manier Jacke und Tasche an sich.

In dem Moment als sie mit ziemlichem Schwung in ihre billige Jacke schlüpfte, wusste ich bereits was gleich passieren würde, nämlich, dass mir ihr rechter Ärmel ins Gesicht schlagen würde. Ich drehte mich wohlweislich vorausahnend von ihr weg und meinem Gesprächspartner zu, so dass der Stoff nur meine Haare traf. Dies aber mit Schmackes und Wucht.  Das hatte etwas Despektierliches, dennoch schaffte ich es sie zu ignorieren und cool zu bleiben. Äußerlich. Innerlich stellte ich mir vor, wie ihr Kopf auf einem Stock aussehen würde. Wusste sie denn nicht dass der Abstand zu meinem Mund sofern sie nicht als Cocktail in einem geeisten Glas serviert wurde mindestens 1 Meter betrug? Liebelein, das ist dein Tanzbereich und das ist mein Tanzbereich..ich bin hier und du bleibst mal schön dort drüben. Anscheinend kannte sie weder Anstand noch Würde, Dirty Dancing, Will & Grace, oder American Psycho, von denen ich gerade klammheimlich so einige Zitate eingebaut habe.

Witzigerweise lernte ich am selben Abend 2 weitere mir wildfremde Frauen kennen, die ich sofort megasympathisch und witzig fand. Beiden kamen aus unterschiedlichen Gründen auf mich zu:

Die eine um mein Outfit zu komplimentieren, woraus sich ein sehr nettes Gespräch ergab. Die andere, weil sie mich auf einem Depeche Mode Konzert gesehen hatte und damit der Gesprächsstoff sowieso geritzt war. Und was lernen wir aus diesem Abend? Meine Aura war jedenfalls nicht allein daran schuld, manchmal geht es auch einfach nicht um Feminismus an sich (ein Wort das im Jahr 2017 mehr als überstrapaziert wurde) oder darum, dass alle aber auch alle Frauen zusammenhalten oder per se Freundinnen sein müssen. Manchmal geht es völlig trivial um: Sympathie oder Antipathie. Trotzdem ist die Ärmel-Story ein no-go und wurde von mir als übergriffig empfunden. Du kannst mich ruhig doof finden, das ist vollkommen ok, macht mir nicht das Geringste aus und beruht im Endeffekt auf Gegenseitigkeit. Aber bleib mir einfach vom Leib und auf Abstand: das ist Antipathie mit Respekt.


Das Bild enstand auf dem M´era Luna Festival 2017.

Stiefel: Doc Martens
Kleid: EMP
Jacke: No name
Strümpfe: H&M

Überrumpelt: die gelbe Couch

Nennen wir die Farbe lieber Senf, um präzise zu sein. Oder auch Curry, auf jeden Fall etwas Gewürzaffines. Und dabei hasse ich die Farbe Gelb von jeher. Kann ich sie weder am Leib tragen da sie mein bleiches Gesicht grünlich wirken lässt, noch hatte ich nur einen Gedanken an gelbes Interieur verschwendet. Was ich an gelb zu bieten hatte: diese Tasche hier.

„Was hast du denn für ein Plüschtier dabei??“ Lachanfall. Ein Fashion Fauxpas allererster Güte. ABER sie war von Miss Sixty und rechtfertigte somit meiner Ansicht nach den Kauf. Yes! Denn Miss Sixty galt in den 90ern als cool und da ja alle Trends bekanntlich immer wiederkehren, würde ich somit bald wieder cool sein. *schlauschlau*

Eine Bekannte von mir musste sich aufgrund eines Wohnungswechsels von einigen Möbelstücken trennen und war froh, dass wir einige Dinge von ihr übernehmen konnten und das war doch sehr schön trotz der deprimierenden Umstände die den Umzug überhaupt erst erzwangen. Eigentlich wollten wir nur ein paar Regale und Kleinigkeiten abholen, sowie ein Schlafsofa für das Kinderzimmer – so der Plan.

Eigentlich machte die Anschaffung überhaupt keinen Sinn bei drei Katzen im Alter von 1, 2 und 3 Jahren da die Fellnasen mitsamt ihrem Nachwuchs bereits die schöne, rote, alte Couch zerlegt und zerkratzt,  im Grunde genommen komplett zerstört hatten und ich für eine Neuanschaffung das gleiche Schicksal befürchtete.  Im Grunde genommen war es mir aber egal, ich nahm die Kollateralschäden stillschweigend, ja geradezu phlegmatisch hin und überließ meinem Partner das Schimpfen und Klagen über Haarknäuel, zerbrochene Vasen und so weiter und so fort. Ich lebte schließlich lange Jahre mit Haustieren und Kind und fühlte mich in OP-ähnlich sterilen Wohnsituationen die Museen glichen ohnehin nicht wohl. Außerdem wusste ich das nichts ewig hält. Keine Möbel, Tapeten, Nippes, Autos, Klamotten, Heizungsrohre – nicht einmal Beziehungen. Mein Spitzenidee, irgendwann eine Nacktkatze anzuschaffen um zumindest das haarige Problem aus der Welt zu schaffen fiel nicht auf fruchtbaren Boden. Und ich würde mir DOCH eine holen, dachte ich trotzig und grinste in mich hinein ob meines vermeintlichen Sieges, während ich heimlich nach Sphynx-Katzen googelte. Hach,  ich fühlte mich sehr schlau und überlegen in diesem Moment.

Als mir besagte Bekannte die gelbe Couch im Wohnzimmer zeigte und sagte, „Könnt ihr die gebrauchen? Ich kann sie leider nicht mitnehmen.“ fiel meine Reaktion wie gewöhnlich intuitiv und nicht von Nachdenken geprägt aus. Ich lern´s nie. „Um Himmels willen nein *kotzgeräusch* die passt üüüberhaupt nicht bei uns rein und diese Faaaarbe -Gott der Gerechte!!“ Damit war das Urteil gefällt. Nie und nimmer käme mir dieses Ungetüm ins Haus, igittegatt also näääää. Der erste Gedanke ist doch meistens der richtige, oder etwa nicht??

Zuhause konnte ich natürlich an überhaupt nichts anderes denken als an die verdammte Couch. Fuck it.
Ich sagte ihr, wir nehmen sie.
Sie sagte, sie hätte sie jemand anderem angeboten.
Beinahe hätte ich angefangen zu heulen.
Aber letzten Endes erhielten wir den Zuschlag und was soll ich sagen? Ich könnte nicht glücklicher sein.

Manchmal ist überrumpelt werden etwas Gutes.

Kritisch beäugt: when a man likes a woman

Hier wählte ich die Worte der Überschrift natürlich nicht ohne Niedertracht. Wer ein ähnliches Aufmerksamkeitsproblem hat, genau wie ich, und Texte stellenweise nur überfliegt (liegt mit Sicherheit an der Masse des zu Verfügung stehenden Inputs dank Internet) anstatt sie in Ruhe und mit Bedacht zu lesen, der hätte vielleicht „loves“ anstatt „likes“ lesen können. Aber es geht tatsächlich nur ums liken. Nicht in Facebook, nicht auf Instagram – im real life. Likes hier, likes da, like mich am Arsch – wenn ich mal so lose Deichkind zitieren darf.

1989 traf Harry auf Sally und damit kam die viel diskutierte Frage auf, ob es zwischen Mann und Frau so etwas wie Freundschaft überhaupt geben kann. Ich gehöre eindeutig zur Ja-Fraktion, hatte ich doch selbst jahrelang einen Bruder mit dem ich zwar nicht blutsverwandt war, der sich aber wie einer anfühlte. Viel merkwürdiger ist doch der Punkt, warum man das im Jahre 2017 überhaupt noch erklären oder in Frage stellen muss? Eigentlich war das gar kein Thema mehr für mich bis ich einen Mann im ungefähren Alter meines Dad´s kennenlernte und mich mit ihm anfreundete. Ich hatte schon immer mal boxen lernen wollen aber mich nicht getraut oder um ganz ehrlich zu sein: ich hatte es mir nicht zugetraut. Ich liebäugelte immer nur aus der Ferne mit dem Boxclub bis ich mich irgendwann selbst überwand und eine Anmeldung ausfüllte. Die erste Zeit hatte ich meinen Freund an der Seite der mir den Einstieg unheimlich erleichterte, aber nachdem er sich abgemeldet hatte war ich auf mich allein gestellt.

Jemanden kennenzulernen war gar nicht so leicht, die meisten kamen mit Trainingspartner und so fühlte man sich manchmal wie beim Völkerball wenn die Teams zusammengestellt wurden, man nicht gewählt wurde und blöd alleine dastand. Tja, ich war nie eine Supersportlerin und werde es auch nie sein. Fakt. Nach einiger Zeit hatte ich jedenfalls ein paar Bekanntschaften geschlossen und es wurde besser und begann richtig Spaß zu machen. Darunter befand sich jemand, der wie die anderen Ahnung vom Boxsport hatte, mir half und mich unterstützte. Seitdem verbindet uns ein freundschaftliches Verhältnis. Nie hatte ich mir Gedanken um Geschlecht, Alter, (Beziehungs)-Status gemacht. Dafür andere umso mehr.

„Aber das ist doch komisch, er hat eine Tochter in deinem Alter. Das ist doch seltsam. Was soll sie denken?“

Ich weiß nicht was sie denkt, ich habe sie nicht danach gefragt als ich sie getroffen habe. Ich halte das nicht für mein Problem – sollte es denn eines sein? Man stelle sich nur folgende Konversation vor: „Hallo, ich bin Steffi – die Sportkumpeline von deinem Dad. Was denkst du darüber?“ Ächz, nö. Ich hielt einen Handschlag, gepaart mit einem Lächeln und die Nennung meines Vornamens für völlig ausreichend. Auch auf folgende Zusätze verzichtete ich: „Wir sind im gleichen Sportclub und trinken nach unserem Trainingskurs etwas zusammen und unterhalten uns. Da sind noch andere Menschen dabei und ach, bevor ich´s vergesse: wir haben keinen Sex.“ Das hätte ich doch etwas albern und überzogen, ja geradezu despektierlich hätte ich das gefunden. Sie vermutlich auch.

Die vermeintlich großen Unterschiede unserer Persönlichkeiten und Lebensumstände hatte ich bis dahin nur als Plus gesehen. Wie etwa in puncto Lebenserfahrung, Perspektiven, Ansichten, Verlässlichkeit, oder sein ruhiges Gemüt wenn ich mal wieder eine Kotztüte und nur am Schimpfen war. Während ich das alles so niederschreibe fällt mir auf, dass meine Kontakte zu Frauen – egal welchen Alters – nie zum Thema gemacht werden. Da gibt es anscheinend tatsächlich doch noch Klärungsbedarf. Im Jahr 2017.

Shirt: Kult
Rock: Second Hand
Tasche: Mango
Shoes: No name
Sunnies: Ray Ban

Outfit: Sailor

Und es wurde Sommer, jawohl, und das Motto was Klamotten angeht: so viel wie nötig – so wenig wie möglich. Agree? So kurz nach London und dem dort arg wechselhaften Wetter ereilte mich binnen Minuten nach meiner Rückkehr die Karmakeule, just auf dem Rückweg vom Flughafen über die Autbahn brausend und gerade zwei LKW überholend piepste und blinkte mein Auto in ungewohnter Manier. Irgendwas mit den Bremsen sagte mein Handbuch, na fantastisch. Ich kriegte beinahe einen Blutsturz, so witzig fand ich das.

(Dass ich zum jetzigen Zeitpunkt fast 3 Wochen ohne Auto und somit nicht großartig mobil in der Provinz bin, geschenkt. Wann das benötigte Ersatzteil geliefert werden kann, das weiß keine Sau. Und bestimmt auch kein Rind oder Elch oder was weiß ich.) Ich beschloss, mich daran nicht weiter aufzureiben und unnötige Energie an eine Sache zu verschwenden die ich nicht beeinflussen kann, es sei eben nur Blech und darum zweitrangig, so impfte ich mir ein.

Danke an dieser Stelle an meine Eltern, die mir großzügiger Weise ihr Auto zur Verfügung stellten solange es eben dauern möge. Was würde ich nur ohne euch tun? Ich meine, so generell!? Zuverlässige Menschen die nicht lange rumlabern sondern handeln: unbezahlbar. Verdient hättet ihr eine Privatinsel mit Cocktail-Flatrate, geben kann ich euch leider nur ungleich weniger. Memo an mich selbst: Lotto spielen…

Mit dem geliehenen Auto fuhr ich in die City. Tochter wollte ihr Taschengeld ausgeben und ich wollte einfach nur ausgehen. Und ausgeben. Tat ich dann unter anderem für eine Handy-Speicherkarte weil mich dieses ständig anmaulte der Speicher sei voll. Beim enthusiastischen Bilder-auf-SD-Karte-speichern verlor ich alle Bilder. Wie ich das geschafft habe? Noch so ein Mysterium das niemals gelüftet werden wird.
Auf die schnippische Frage ob man das seit Neuestem so trüge, blau gestreiftes Shirt zu rot gestreiften Schuhen, erwiderte ich: ob MAN das so macht weiß ich nicht. Aber ICH mache das so.

London calling.

Vor ca. anderthalb Wochen verschlug es mich und Bestie nach London. Wir hatten den Trip zu unserem letzten Geburtstag geplant und nun endlich konnten wir ihn in die Tat umsetzen. Der letzte London-Besuch war schon einige Jährchen her und ich hatte kaum mehr Erinnerung daran. Das hieß im Klartext: wir hatten keinen supercoolen Plan, wir wollten auch nicht alles anders machen als Andere und Geheimtipps hatten wir schon gar nicht. Was wir hatten: Reiseführer (für 9 € beim Buchhändler gekauft), Tasche, Klamotten, Geld, Ausweis. Der Plan war folgender: Stadt anschauen, Bier trinken, rumflanieren, kitschige Schnuppeprodukte erstehen und sich wie ein Kosmopolit fühlen. Yes!

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Wir hassen beide fliegen, ja, wir haben regelrecht Angst davor. Um so schöner wenn sich solch ein Anblick bietet. Ich ließ mich nicht lumpen und postete dieses Bild auf Instagram, allein schon aus Trotz weil ich irgendwo gelesen hatte wie langweilig solche Fotos seien und ja kaum noch Klicks brächten. Das widerum fand ich dekadent und widerlich. War unsere Gesellschaft schon so verroht, dass fliegen alltäglich geworden war und Bilder aus dem Flugzeug geschossen als langweilig wahrgenommen wurden? Für mich ist es nach wie vor besonders, besonders unangenehm, absolut nicht trivial und mit viel Alkohol verbunden. Wie sonst sollte ich meine coole Fassade wahren? Aber scheiß drauf, London ist nur einmal im Jahr..

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Ja, am schnellsten geht es mit der U-Bahn. In der Rush-Hour ein besonderes Erlebnis… zum Glück habe ich nur Höhen- und keine Platzangst. Höhe schlägt Menschenmenge, Schlange schlägt Höhe. Is klar, ne? Monk läßt grüßen.

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Arbeiterklasse: Ilford

In der Großstadt, besonders in der international stark frequentierten, fällt die klassische Schere zwischen arm und reich extrem auf. Ich kann mich nicht erinnern bei meinem letzten Aufenthalt soviele Obdachlose, Bettler und Junkies gesehen zu haben. Und im Gegensatz soviele Stinkreiche – und überhaupt die horrenden Preise, und zwar für alles. Irre.

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Aber hier in Ilford gab es für 5 Pfund reichlich zu essen. Vergiß eat cleaning.. hau rein und ignoriere den Verdacht, der Krautsalat könnte nen leichten Stich haben.

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Luxus: Mayfair

Hier wird man sozusagen seines Platzes verwiesen, es sei denn man ist ein Millionär/Milliardär arabischer Abstammung. Wir ließen es uns dennoch nicht nehmen einen gepflegten Spaziergang durch Mayfair zu absolvieren und im Sketch einzukehren. Kleiner Tipp am Rande: Reservierung und viel Bargeld nicht vergessen! Mein Glück, dass ich zuviele Highclass Blogs lese und dadurch vom traumhaften pinken Interior des Sketch wusste, und nicht zu vergessen den Ei-ähnlichen futuristischen Toiletten. Das Personal ist sehr nett und man wird auch nicht abgewiesen wenn man völlig verschwitzt und aussehend wie Dresden`45 daher kommt. Die Preise auch hier jenseits von allem – aber hey, die Garderobe war immerhin kostenlos!

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Home of Amy Winehouse: Camden

Ich habe noch nie soviele Piercing-/Tattoostudios auf einem Haufen gesehen. Den riesigen Camden-Market muss man zwar nicht unbedingt gesehen haben, Spaß gemacht hat es aber trotzdem sich durch die Stände zu wühlen. Abseits der fliegenden Händler gibt es wirklich schöne und originelle Sachen.

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Shop till drop: Carnaby Street

Glücklicherweise findet sich hier für jeden Geldbeutel etwas. Besonders Marken wie Monki oder Topshop haben tolle Klamotten.132 129 128

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits aus dem Hotel auschecken müssen und keinen Bock unsere Taschen mit durch die Stadt zu schleppen. Carnaby lag grobe Richtung Flughafen Heathrow.. also was tun? Wir fragten in der hiesigen U-Bahn-Station einen Schuhmacher ob er unsere Taschen gegen einen Obolus von 5 britischen Pfund bis zum Nachmittag bei sich unterstellen würde. Wir boten an, er dürfe unsere dreckige Wäsche nach vermeintlichen Bomben durchwühlen was auch verständlich wäre ob aller Anschläge die leider in letzter Zeit weltweit stattfinden. Er lehnte vollkommen vertrauensselig ab und verwahrte unser Gepäck ohne großes Gedöns. Wir empfehlen hiermit den “Mr. Minit” im Underground, Ausstieg Oxford Circus offiziell wärmstens weiter! (Schließt sonntags um 18 h). Also hopp hopp!

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Hello Hyde Park!

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Ein Denkmal für Tiere! Mein Herz tanzt.

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Schnubbeprodukte.

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Die folgenden Bilder lassen sich zusammenfassen unter: alles mit dem Bus abgeklappert. Hop on. Hop off.

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Alltagshelden: Fensterputzer. Einerlei ob in New York oder London – wer an Seilen hängend in dieser Höhe seine Arbeit verrichten kann hat meinen Respekt. Und meine Hochachtung. Ich werde versuchen mich daran zu erinnern wenn ich mich wieder über meinen Job beklage, der bequem und mehr oder minder ohne lebensgefährliches Risiko am Bürotisch stattfindet. Stichwort: einschlafen und sich den angespitzten Bleistift ins Auge rammen zum Beispiel.

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Bye Bye London, es war mir ein Vergnügen.